Praxis
So ticken Hechte: Streamern
Fliegenfischen auf Hecht ist keine Raketenwissenschaft und zudem sehr effektiv, wenn man ein paar Tricks beherzigt. Von Birger Domeyer

Bild: Bastian Gierth

Wer regelmäßig mit dem Streamer auf Esox fischt, weiß das schon länger, aber ich schätze, das Vorurteil des eher Hobby-liebhabenden „Fusselwerfers“ haftet dem Fliegenfischen immer noch an. Ich selbst fische eigentlich sehr gerne mit der Fliegenrute auf alle Raubfische, vor allem aber auf Hecht. Sicher, die Reichweite ist nicht die beste, und besonders tief zu fischen, wirkt auch eher krampfig als gekonnt. Aber wann muss man schon weit draußen tief fischen, um Hechte zu fangen? Überwiegend spielt die Musik doch im Uferbereich, an Kanten oder im Kraut. Genau da, wo man einen Streamer genauso gut präsentieren kann wie einen Jerkbait.
Jerken und twitchen
Den Lauf eines gut gebundenen Hechtstreamers würde ich etwa mit einem Jerk- oder Swimbait vergleichen. Sind die Proportionen des Materials gut gewählt, bricht auch der Hechtstreamer seitlich aus, wenn man ihm die „Luft“ dazu lässt. Der Unterschied zum Kunstköder ist nur: Da eine Hechtfliege aus sehr feinen, einzelnen Strukturen wie Flash, Bucktail-Haaren oder Kunstfasern besteht, bewegen sich diese bei geringstem Zug, ja sogar in der Halte- oder Absinkphase. Es ist also stets Leben im Köder, während die harte Oberfläche eines Kunstköders eher starr wirkt. Vielleicht macht das die besondere Anziehungskraft eines Streamers aus, die an manchen Tagen die Reichweiten-Nachteile durchaus ausgleicht.

Damit der Streamer einen besonderen Lauf bekommt, kann man sich auch als Fliegenfischer etwas von den Twitchbait- oder Jerkbaitanglern abschauen. Statt die Rute nur bewegungslos nach unten zu halten und _die Schnur einzustrippen, mache ich gerne noch leichte Jerk-Bewegungen mit der Rutenspitze gleichzeitig beim Schnureinzupfen dazu. Dabei bewegt sich die Rutenspitze etwa fünf bis zehn Zentimeter zur Seite. Nach dieser ruckartigen Bewegung hängt die Fliegenschnur kurz lose durch, wodurch der Streamer etwas Raum bekommt, um seitlich auszubrechen. Gerade für Hechte und Barsche ist diese Bewegung des Köders ein Schlüsselmoment für eine Attacke.
Damit der Streamer dieses Ausbrechen vollführt, müssen allerdings zwei Dinge gegeben sein: Der Streamer selbst darf nur wenig oder besser gar nicht beschwert sein. Sind schwere Kettenaugen oder Coneheads am Kopf eingebunden, bekommt man lediglich eine Jigbewegung, aber kein Ausbrechen. Auch darf der Streamer nicht zu dünn gebunden und lang sein, das bremst die seitliche Bewegung deutlich aus.

Der zweite Aspekt ist die Wahl der Schnur. Eine schwere Sinkschnur (etwa eine S7) sinkt so schnell, dass man nach dem Einstrippen kaum eine lose Schnur bekommt. Der schwere Schnurbauch zieht ununterbrochen nach unten und auch am Streamer. Er wird also trotz aller Mühen bei der Köderführung recht linear laufen. Gut funktioniert das aber schon bei einer Sink-3-Schnur und natürlich bei Intermediate- und Floating-Schnüren.
Nicht nur flach
Fälschlicherweise wird das Fliegenfischen nur für das Angeln im Flachwasser eingeordnet. Klar, jeder kennt spektakuläre Aufnahmen von Fliegenfischern, die mit Frosch-Imitaten in Seerosen Hechtattacken provozieren. Leider sind die Gewässer dafür rar, und das normale Angeln auf Esox findet eher an Scharkanten zwischen zwei und vier oder fünf Metern statt. Das sind aber Tiefen, die überhaupt kein Problem darstellen. Ganz im Gegenteil, diese fische ich sogar am liebsten. Mit einer modernen, schnellen Rute und einer Intermediate-Schnur, die eine Sink-3-Spitze besitzt, ist das Werfen selbst mit großen Fliegen kein Problem.

Mit etwas Geduld sinkt diese Schnur leicht auf vier oder fünf Meter ab, wenn man so tief fischen möchte. Meistens reicht es aber, den Streamer zwei bis drei Meter tief zu führen, die Hechte kommen für den Köder gerne nach oben geschossen. Langsam genug dafür ist er ja, wenn wir die eine oder andere Pause einlegen.
Apropos Pausen: An unserem Wintertag fischten wir überwiegend in Häfen, die nur 2,50 bis drei Meter tief waren. Dort habe ich meine Sink-3- Schnur schnell gegen eine Intermediate-Variante getauscht, als ich bemerkte, dass Sebastian deutlich mehr Bisse bekommen hat, der bereits mit der Intermediate fischte. Damit lief der Streamer deutlich über dem Grund in nur etwa 1,5 Metern Tiefe und war etwas langsamer unterwegs. Das schien die Hechte in dem kalten Wasser mehr anzusprechen, als ihnen die Fliege direkt auf Augenhöhe zu präsentieren, dafür aber schneller zu strippen. Es ist also stets ratsam, Schnüre in verschiedenen Sinkraten dabei zu haben, je nach Laune der Hechte. Wenn man das richtige Tempo erstmal gefunden hat, ist das Streamern aber sehr effektiv und macht zudem enorm viel Spaß.
Welche Rute?
Das Fliegengerät wird zum Glück ganz einfach in Klassen eingeteilt, bei denen Rute, Schnur und Rolle jeweils einfach kombinierbar sind. Für Hechte reicht eine Klasse acht oder neun, wer große Fliegen fischt und mit großen Hechten rechnet, kann auch eine Klasse 10 fischen. Toll ist die Entwicklung der Ruten hin zu strafferen Spitzenaktionen, die ich auch empfehlen würde, um die großen Streamer werfen und die Bisse optimal spüren zu können.

Angeln in Häfen
Längst nicht alle Häfen in Deutschland und auch den Niederlanden darf man auch befischen. Am besten schaut man vorher in die Bestimmungen (für Holland gern in die Visplanner-App), wo es erlaubt ist und wo nicht. Aber selbst wenn der Hafen auf der App-Karte dunkelblau gefärbt ist (also das Angeln erlaubt) bedeutet das nicht automatisch, dass man Bootsstege oder Grundstücke im Hafen betreten darf, denn das ist Privatgrund. Die Erlaubnis dazu erteilen, obliegt dem Hafenmeister. Meiner Erfahrung nach schickt dieser einen auch manchmal fort, wenn man mit dem Boot den Hafen befährt, was ja eigentlich erlaubt ist. Man ist also leider immer ein bisschen auf das Wohlwollen des Hafenmeisters angewiesen. Meine offizielle Anfrage diesbezüglich an die Sportvisserij Nederland blieb leider unbeantwortet. Das gilt übrigens ebenso für manche deutsche Häfen, in denen rechtliche Grauzonen herrschen. Im Zweifel also immer den zuständigen Hafenmeister fragen.

Autor: Birger Domeyer