13.07.2022
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8 Min

Praxis

So ticken Hechte in der Talsperre

Künstlich geschaffen, entwickeln sich viele Talsperren zu wahren Großhecht-Gewässern. Wie man dort schwerpunkt­mäßig vom Ufer aus am besten fischt, verrät Birger Domeyer.

So ticken Hechte in der Talsperre

Bild: Bastian Gierth

Ich möchte lieber gleich zu Beginn reinen Wein einschenken. Denn wer eine Talsperre als Hausgewässer hat und sich mit den Räubern schwer tut, der macht nicht unbedingt etwas falsch. Denn dieser Gewässer-Typ ist grundsätzlich schwer zu befischen. Talsperren sind durch ihre speziellen, oft monotonen Strukturen schwer zu lesen. Schneidertage muss man hier einfach in Kauf nehmen, so viel sollte klar sein. Aber dafür kann die Belohnung riesig sein. Denn das Potenzial für XXL-Hechte haben fast alle deutschen Talsperren.
Fangen wir mit der eher einfachen Disziplin an, dem Uferangeln. Das klingt jetzt komisch, denn augenscheinlich sollte es bei der großen Wasserfläche doch leichter sein, Hechte vom Boot aus zu fangen. Ich glaube, dass das nicht unbedingt der Fall ist, weil wir dafür eine Menge teure Technik brauchen, damit der schwimmende Untersatz überhaupt ein Vorteil ist. Aber dazu später mehr.
Der Uferangler kann zunächst einfach nur mit einer Spinnrute und ein paar Ködern losziehen und Hotspots ohne große Kenntnis der Gewässertiefe schnell erkennen. Und das geht so.

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Spots erkennen

Die Unterwasserstrukturen sind gar nicht so verborgen, wie man meinen könnte. Denn die Landschaft am Ufer setzt sich in der Regel auch unter Wasser fort. Eine flache Wiese am Rand deutet auch auf ein eher seicht abfallendes Ufer und flacheres Wasser hin. Eine Steilwand mit schroffen Felsen hingegen weist auf tiefes Wasser in Wurfweite hin.
Für den Uferangler sind Hechte interessant, die sich dicht unter Land an Futterfischen wie Barschen und Rotaugen halten und auch gerne Kraut aufsuchen. Beides findet man nahe der flach auslaufenden Bodenstrukturen. Solche Bereiche würde ich immer zuerst aufsuchen. Ideal ist es natürlich, wenn die Talsperre relativ geringe Wasserstandsschwankungen aufweist, weil dann in diesen flachen Zonen auch Pflanzen wachsen können. Dort wird man immer Hechte finden. Aber selbst wenn nicht: Auch auf den überschwemmten Wiesen oder blanken Kieselsteinen stehen die Hechte, sofern sie dort Futterfische vorfinden.

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Gerade im Sommer kann man auch vom Ufer aus tolle Hechte in Talsperren fangen. (Bild: Birger Domeyer)
Da das Ufer hier eher flach abfällt, kann man meistens ohne Schwierigkeiten mit der Wathose vor den Büschen entlang gehen und beim Spinnfischen ordentlich Strecke machen. Welchen Ködertyp man hier einsetzt, erachte ich mal als sekundär - hier herrscht künstlerische Freiheit. Denn ob Wobbler oder Gummi: Alles wird seinen Fisch fangen. Ich würde aber immer zwei Ködertypen dabei haben. Einmal eher flach laufende Hardbaits wie Wobbler oder Jerkbaits für krautige Bereiche, überschwemmte Büsche oder auch, wenn das Wasser leicht angetrübt ist. Dann stehen die Hechte gerne in nur einem oder zwei Metern Tiefe oft direkt am Ufer.
In der Regel sind Talsperren aber sehr klar und haben eher wenig Bewuchs. Dann stehen die Hechte zwar in der Nähe dieser flach auslaufenden Ufer, aber eher etwas tiefer. Und damit auch weiter draußen. Im klaren Wasser bevorzugen sie Standtiefen von sechs bis acht Meter, die durchaus mal 40 oder 50 Meter weit draußen liegen können. Dafür eignet sich natürlich das Gummifischangeln sehr gut, bei dem man mit entsprechenden Bleiköpfen weit werfen und gleichzeitig etwas tiefer fischen kann.
Man muss für Hechte dabei allerdings nicht unbedingt hart am Grund fischen, wie etwa beim Jiggen auf Zander. Nach einem weiten Wurf lasse ich den Gummi zwar bis zum Grund sinken, kurble ihn dann jedoch häufig einfach ein und leiere ihn so deutlich über den Hechten zurück. Das ist zwar simpel, aber effektiv.
Diese eher flachen Zonen sind jedoch nicht in jeder Jahreszeit gut. Natürlich ist der Saisonstart gleich im Mai stark, aber auch die Sommermonate bis etwa in den Oktober hinein, solange das Kraut noch dort steht. Im Winter wird es dort eher schwierig, aber nie unmöglich, Hechte
zu fangen.

Großfische im Freiwasser

Wer gezielt einen wirklich großen Hecht fangen möchte, sollte sich das Freiwasser anschauen. Aber Vorsicht: Hier wird es phasenweise wirklich zäh. In vielen Talsperren gibt es einen bemerkenswerten Maränenbestand, an dem die großen Hechte dann maßgeblich interessiert sind und fast ganzjährig den nahrhaften Coregonen folgen. Aber wie fängt man sie dort? Nur mit viel anglerischem und technischem Aufwand, das steht fest!
Die vielleicht einfachste Methode dürfte das Schleppangeln mit Großködern sein. Wobei einfach relativ ist, denn zwei Schleppruten mit Sideplanern und ordentlicher Ruderanlage oder Elektromotor zu betreiben, stellt einen ähnlichen Aufwand wie das pe­lagische Freiwasserangeln mit dem Echolot dar. Bei beiden Methoden muss man erst in Technik investieren und zudem viel Zeit aufwenden, bis man alles perfekt beherrscht.

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Im zeitigen Frühjahr sind flache Stellen gut für Hecht. Hier sieht man im Hintergrund die Wiese, danach kann man Ausschau halten. (Bild: Sebastian Endres)
Richtige Regeln für die Freiwasserhechte gibt es wenige. In den Monaten Mai bis etwa September stehen sie gerne flach, also zwischen zwei und sechs Metern. Suchen würde ich zunächst immer im mittleren bis unteren Bereich der Talsperre, also dort, wo es insgesamt am tiefsten ist. Das sind allerdings nur grobe Richtwerte, denn das Geschehen im Freiwasser füllt ganze Bücher und ist extrem komplex. Eine ganze Weile habe ich mich damit beschäftigt und auch das Wurfangeln ohne jede Technik dort betrieben. Das klappt zwar, es ist dann aber nicht ungewöhnlich, auch mehrere Tage nichts zu fangen. Wenn allerdings der Biss kommt, kann es der Hecht des Lebens sein, so viel steht fest.

Oben oder unten?

Ob man die oft verwinkelten Talsperren eher nahe der Staumauer oder nahe des aufgestauten Flusses fischt, hängt von der Jahreszeit ab. Da der Bereich um die Staumauer insgesamt tiefer verläuft, erwärmt er sich langsamer und ist eher für den Sommer und Frühherbst die beste Region. Nahe des einlaufenden Flusses präsentiert sich die Talsperre grundsätzlich flacher, was alle Fische im Frühjahr gerne mögen. Maränen etwa ziehen zwischen März und Juni gerne in diese seichteren Bereiche. Sofern in dieser Jahreszeit erlaubt, lohnt ein Versuch dort ganz besonders.

Kraut oder nicht?

Wer wirklich gezielt vom Ufer aus auf Hechte in Talsperren fischen möchte, sollte sich eine aussuchen, in der auch Kraut wächst. Das ist im Sommer etwa am Sorpesee oder der Listertalsperre der Fall. Gutes Hechtangeln in den Flachwasserzonen (vor allem zu Beginn der Saison) kann man aber auch etwa am Möhnesee, der Bleilochtalsperre oder dem Edersee erleben.

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Autor: Birger Domeyer