Praxis
So ticken Hechte im Flussunterlauf
Der letzte, träge auslaufende Abschnitt eines Flusses lädt förmlich zum Hechtangeln ein. Wo man sie hier findet und fängt, verrät Birger Domeyer.

Bild: Bastian Gierth
Für unseren Trip haben wir zwei Angelmethoden ausgewählt, einen Tag sind wir vom Ufer aus losgestapft, einen Tag haben wir vom Boot gefischt. Beides hat Vor- und Nachteile für das Hechtangeln, ist aber gleichermaßen erfolgreich und hängt von der Struktur des Angelplatzes ab.

Anders als im Oberlauf, ist es im Unterlauf eines Flusses nicht immer sofort ersichtlich, welche Uferseite die bessere zum Hechtangeln ist, denn das ist in erster Linie von der Tiefenstruktur abhängig. In der Treene herrscht, wie in vielen Flussunterläufen, nur eine sehr geringe Strömung, oft sogar gar keine. Denn die Schleusen zur Eider werden nur einmal am Tag für etwa ein bis zwei Stunden geöffnet, in denen Wasser abgelassen wird. Die dabei entstehende leichte Strömung sorgt dafür, dass gewisse Bereiche etwas tiefer ausgespült werden. Als Grundregel gilt: Engstellen und Außenkurven sind eher tief, breite Abschnitte und Innenkurven flach. Bei sehr geringer Strömung, wie sie in Unterläufen häufig vorkommt, stimmt das aber nicht unbedingt. Hier kann es passieren, dass die ausgespülte Rinne einfach mittig durch den Fluss verläuft und sowohl die Innen- als auch die Außenkurve flach ist. Diese seichten Zonen, welche häufig noch stark mit Pflanzen bewachsen sind, mögen die Hechte besonders. Ganz im Gegensatz zu Zandern, die fast ausschließlich in den tiefer ausgespülten Abschnitten verweilen.

Wir suchen uns also für die Hechtangelei zunächst sehr flache Uferzonen, in denen nach Möglichkeit Pflanzen wie Seerosen wachsen und kaum oder bestenfalls keine Strömung herrscht. Für den Film zu diesem Artikel sind wir im Mai angeln gefahren. So früh in der Saison wachsen die Wasserpflanzen zwar schon etwas, sind aber noch nicht zu dicht. Das ist wichtig, denn wenn die Seerosenblätter erst einen durchgehenden Teppich bilden, ist es schwer, den Hechten überhaupt den Köder zu zeigen.
Vorteil Boot - oder nicht?
Steigen wir zunächst ins Boot. Das Schöne am fahrbaren Untersatz ist natürlich die Flexibilität bei der Wahl der Angelplätze. Man hat nicht nur schnell die Uferseite gewechselt, sondern auch einen monotonen Abschnitt überbrückt, um die nächste Kurve anzusteuern. Außerdem gibt es immer Stellen, die vom Ufer aus unerreichbar sind. Sei es, weil ein Privatgrundstück den Weg versperrt, eine hohe Schilfwand oder die Wasserpflanzen zu dicht gewachsen sind. Gerade diese schwer zugänglichen Spots haben gute Aussichten auf Erfolg.

Und trotzdem sind wir einen Tag Uferangeln gegangen. Warum? Ein Boot ist im Flachwasser auch sehr auffällig und wird den einen oder anderen Fisch verscheuchen, da bin ich sicher. Und dann stelle man sich einen Hecht vor, der extrem dicht am Ufer unter Seerosenblättern steht. Vom Boot aus läuft es dann so: Man wirft den Köder, so gut es geht, sehr dicht vor die Seerosen und fängt
an, einzukurbeln. Der Köder fällt im schlimmsten Fall dem Hecht direkt auf den Kopf - und man verscheucht ihn garantiert. Oder er steht einige Meter neben dem Einwurfort, wird den Köder aber trotzdem nicht unbedingt sehen, weil wir ihn ja recht schnell ins Freiwasser zum Boot kurbeln.
Vom Ufer aus lässt sich so ein Hecht schon besser befischen. Man wirft zunächst in die Flussmitte und führt den Köder zum Seerosenfeld hin. Kurz davor angekommen, legt man eine Pause ein und zupft noch einmal kurz am Wobbler. Sehr viele Bisse erfolgen genau in diesem Moment. Häufig habe ich schon Hechte vor meinen Füßen aus dem Ufer auf den Köder schießen sehen. Fische, die man vom Boot aus nicht unbedingt bekommt.
Möchte ich also größere Buchten ausfischen oder parallel vor einer Schilfwand, dann ist das Boot ein guter Partner. Für Plätze, die klein und extrem dicht am Ufer sind, ist das Watangeln die bessere Option.

Wie flach darf‘s sein?
Wenn ich über flache Plätze in Flüssen spreche, dann meine ich das auch so. Grundsätzlich gilt: Wenn das Wasser etwas trüber ist, stehen Hechte auch in
20 Zentimeter Wassertiefe, selbst sehr große Exemplare. Je klarer es wird, desto eher rutschen sie ins Tiefe. An der Treene ist das aber nur im Herbst und Winter der Fall. Fehlt die Deckung am Ufer, stellen sich Hechte dort in der kalten Jahreszeit auch manchmal in die Flussmitte. Aber es bleiben immer die meisten Hechte im Flachen stehen, auch wenn die Seerosen verschwunden sind.
Und hier brauchen wir ein bisschen Feingefühl bei der Köderwahl. Selbst sehr flach laufende Wobbler wie der Hechtkaiser tauchen manchmal zu tief. Hier setze ich gerne mehrgliedrige Swimbaits ohne Tauchschaufel ein, wie etwa den Savage-Gear 4-Play. Der schlängelt sich ultra langsam direkt unter der Oberfläche durch die Pflanzen, ohne zu häufig hängen zu bleiben. Auch extrem leichte Spinner oder Tandemspinner sind mit ihrer Druckwelle einen Versuch wert. Natürlich könnte man auch Gummifische an Offsethaken zwischen den Pflanzen fischen, aber, ehrlich gesagt, ist mir die Hakquote damit nicht gut genug.

Kapitale im Winter
Der Flussunterlauf ist häufig eine gute Wahl für das gezielte Großhechtangeln. Mein Tipp dafür: Schauen Sie zuerst im Sommer vorbei und merken sich, wo die meisten Pflanzen wachsen. Je undurchdringlicher, desto besser. Diese Plätze suche ich dann im Winter auf. Die Pflanzen verschwinden, die Hechte bleiben - und stehen ganz flach auf freien Flächen. Zwar gibt es jetzt nicht viele Bisse, aber dafür könnte die Bugwelle groß sein, die sich dem Köder schnell nähert.
Um diese Momente zumindest ein wenig berechenbarer zu machen, rate ich zu folgendem Vorgehen: Ich persönlich bin sicher, dass Hechte in diesen kleinen, flachen Buchten sehr schnell mitbekommen, wenn wir dort einen Köder präsentieren. Sprich: Die ersten Würfe sind entscheidend. Kommt kein Biss, gehe ich lieber weiter und versuche es vielleicht einige Stunden später noch einmal an diesem Platz. Manchmal weiß man ja, wo ein großer Fisch steht, oder hat zumindest eine Ahnung. Jetzt gilt es nur, den Tag herauszufinden, an dem die Hechte allgemein aktiv sind. Denn meistens ist es ja so, dass es grundsätzlich schon gut beißt und man dann auch noch einen großen Fisch zusätzlich fängt. Wenn man also merkt, dass die kleineren Hechte im Fluss jetzt aktiv sind, sollte man unbedingt die Großhechtplätze ansteuern, schnell ausfischen und weiterziehen.
Mit etwas Fleiß kann man an solch einem Aktivitätstag auch zwei große Hechte erwischen. Danach ist dann wieder eine Woche „Saure- Gurken-Zeit“. Aber die gehört ja auch dazu.

Autor: Birger Domeyer