Praxis
So ticken Hechte: der flache Natursee
Schilf, Kraut und weniger als einen Meter Tiefe: Gibt es ein besseres Hechtgewässer? Birger Domeyer hat genau so eines in der Eifel gefunden und zeigt, wie man dort am besten zum Erfolg kommt.

Bild: Birger Domeyer

Vor etwa 80 Jahren war dieser sehr flache See eine Kuhwiese. Danach hat man ihn aber renaturiert und aufgestaut. Tiefste Stelle: ganze 1,30 Meter. Man darf etwa die Hälfte des Ufers betreten und befischen, die andere Hälfte ist Naturschutzgebiet. Kurzum: Wir haben einen recht kleinen, halben See mit der Struktur einer Badewanne als Zielgewässer. Und wir suchen Hechte.
Ganz unbekannt ist mir dieser Gewässertyp nicht, denn aus meiner Studienzeit kenne ich einen ähnlichen See in der Nähe Göttingens: den Seeburger See. Kreisrund mit etwa einem Kilometer Durchmesser und maximal vier Metern Tiefe. Strukturen: bis auf die Ufervegetation eigentlich keine. Hechte mögen solche flachen Seen aber sehr gerne, und ich denke, dass viele Vereinsangler so einen Gewässertyp vor der Haustür haben.

Im Mai nach Norden
Für den Angeltag am Jungfernweiher haben wir uns den Saisonstart ausgesucht, also im Mai gefischt. Jetzt findet man die Hechtplätze meistens recht einfach: Die Laichzeit ist noch nicht lange vorbei, und viele Hechte stehen in der Nähe der Laichbuchten. Und die findet man meistens auf der Nordseite des Gewässers. Denn die noch flach stehende Sonne erwärmt das Nordufer am schnellsten. Wenn man sich gar nicht auskennt, bewahrheitet sich diese Faustregel recht häufig. Aber Achtung: Je nachdem, wie warm das Frühjahr ausfällt, haben die Hechte schon vor mehreren Wochen abgelaicht. Und dann verschwinden sie auch gerne schnell wieder in Richtung Fressplätze, die durchaus auch im Tiefen liegen können, wie wir in einer der folgenden Episoden sehen werden.
Das Frühjahr 2021 war zwar sehr kalt, aber das Nordufer leider Naturschutzgebiet am Jungfernweiher. Da die Angelstrecke insgesamt mit einem Kilometer recht kurz ist, relativiert sich die Frage nach der Strategie auch ein bisschen. Den einen Kilometer schafft man mit der Spinnrute in jedem Fall. Also habe ich im Flachen angefangen und mich zum Staudamm vorgearbeitet.

Flach bedeutet hier vielleicht 80 Zentimeter, selbst auf voller Wurfdistanz. Die Uferstruktur hier sieht eigentlich nicht uninteressant aus: Überhängende Weiden wechseln mit überschwemmten Grasmatten ab. Das ist eigentlich kein ganz schlechtes Territorium für Hechte. Meistens konzentriere ich mich sehr auf die Uferregion, vor allem, wenn das Wasser leicht angetrübt ist. Nach etwa 200 Metern Strecke tauchen zudem noch einige Wasserpflanzen auf. Gebissen hat zwar noch nichts, aber immerhin wird es „hechtiger“, um es salopp zu sagen
Wenige Köder, viel Strecke
Wenn ich so ein Gewässer zunächst erkunde, dann gerade für Hecht immer im Tempo-Modus. Sprich: Jeder Platz bekommt einen Wurf mit einem Köder, die nächste Bahn zum Servieren liegt ein paar Meter weiter. Erst wenn ich einen oder mehrere Bisse in einem Areal hatte, wechsle ich den Köder und befische dieses zu einer anderen Tageszeit oder nach einer Pause noch einmal. Es macht meiner Meinung nach wenig Sinn, denselben Köder vielfach auf denselben Platz zu werfen. In solch flachen Seen kann man davon ausgehen, dass ein Hecht sofort bemerkt, wenn ein Köder in der Nähe ist. So wirklich kann man ja nicht am Fisch vorbei angeln. Und wenn er nicht beißen will, helfen auch 20 zusätzliche Würfe in aller Regel nichts. Im Gegenteil: Hechte kann man auch ganz vergrämen, wenn man sie zu sehr unter Druck setzt. Und dann beißen sie auch nicht mehr, wenn die eigentlich beste Zeit des Tages angebrochen ist.

Im Jungfernweiher bin ich mittlerweile am Staudamm angekommen. Hier ist es tatsächlich nur 1,30 Meter tief, und es bewegt sich zum ersten Mal etwas. Unter einer überhängenden Weide schießt ein kleiner Hecht heraus und schnappt sich den Zanderkönig-Wobbler, der auch für Esox und natürlich speziell im Flachwasser eine echte Waffe ist. Der erste Biss, und er kam nicht zufällig. Denn hier findet sich auch ein sehr großes Krautfeld, das sich mehrere Meter in den See hinein zieht. Das war im ganz flachen Teil des Sees nirgends zu finden. Einige Meter weiter bekomme ich noch eine Attacke, auch dieser Hecht stand unter einer Weide. Das ist interessant, weil die Struktur „überhängende Weide“ so ziemlich überall am Ufer zu finden ist. Aber nur hier, dicht am Staudamm, bekomme ich Bisse.

Lockeres Schilf
Am leider letzten begehbaren Platz finde ich schließlich meine Lieblingsstruktur: locker stehendes Schilf, das auch noch mehrere Meter in den See hinein wächst. Das lieben Hechte in solchen Stillgewässern. Manchmal reicht es, wenn nur wenige, einzelne Halme außerhalb einer sehr kompakten Schilfwand wachsen. Dort stehen Hechte sehr gerne. Hier bekomme ich noch zwei Bisse und kann den zweiten auch verwandeln und den Esox schließlich landen. Vier Bisse beim ersten Durchgang, gar nicht so schlecht eigentlich. Leider ist ja das ganze Nordufer nicht betretbar, vom Boot wäre es aber sicher möglich, hier noch den einen oder anderen Hecht zu fangen.
Nach einer kleinen Pause gehe ich den interessanten Bereich erneut durch, dieses Mal mit einem ganz anderen Köder. Ein kleiner Hecht schießt noch auf den ultra flach laufenden 4-Play-Swimbait, bleibt aber nicht hängen. Dort hatte ich vorher schon einmal mit zwei anderen Ködern gefischt, diese hatte er aber nicht genommen.

Im Herbst auf der Fläche
Nun ist das Klischee vom Hecht im Schilf am Jungfernweiher voll erfüllt. Zugegeben, in dieser Jahreszeit hätte ich auch nichts anderes erwartet. Vom Seeburger See aber weiß ich, dass im Herbst auch die trostlos wirkende Fläche sehr gut sein kann. Dort sammeln sich manchmal recht große Rotaugenschwärme, an denen die Räuber natürlich interessiert sind. Dann haben wir selten dicht am Ufer gefischt und meistens blind auf der freien Wasserfläche geworfen, was deutlich bessere Ergebnisse gebracht hat. Zwar gibt es hier mitten im See keine Struktur, aber das stört Hechte dann nur wenig. Hauptsache, es gibt etwas zu fressen!
Autor: do