In Osteuropa gibt es kaum ein Revier, in dem ATVs nicht eingesetzt werden. Hierzulande tun wir uns mit Quads noch schwer. Im DJZ-Test ein neues 650er-Modell aus Kanada. Wird es vernünftig benutzt, ist es im Revier unschlagbar. Zumindest bei gutem Wetter ...
Quads im Revier: Für die einen das ultimative Revierfahrzeug, für andere lärmender Störenfried. Wer hat recht? Das kommt auf den Gebrauch an: Natürlich hat ein Quad „grundlos“ nichts im dichten Busch ver-loren. Mit angepasster Geschwindigkeit auf Feld- oder Waldwegen stört das ATV nicht mehr oder weniger als ein Geländewagen.
Aber: Muss das Schmaltier aus dem dichten Hochwald geborgen werden, geht das mit dem wendigen, offroadtauglichen Quad wesentlich einfacher als mit Defender oder X-Trail. So zumindest die Erfahrung mit dem neuen Can-Am Outlander Max XT-P. Im DJZ-Test die 650er-Variante. Eckwerte: 59 PS Leistung, Höchstgeschwindigkeit 60 km/h, 650 ccm-Rotax V-Twin Motor.
Spaß pur auf Straßen
Es ist Blattzeit. Das Wetter optimal. 15 Kilometer bis ins Revier. Die Waffe im Futteral auf dem Buckel. So geht’s bei 30 Grad und Sonne satt über einsame Landstraßen. Spaß pur. Das ATV hat einen gewaltigen Anzug, macht ordentlich Wind und vermittelt ein „saugutes“ Fahrgefühl. Alleine enge Kurvenfahrten und die direkte Servolenkung sind etwas gewöhnungsbedürftig. Aber das ist bei Quads nun einmal so. Der 2-Sitzer ist bequem sowie prima gefedert (Fox-Stoßdämpfer) und kommt notfalls ruckzuck zum Stehen. Die Fuß- und Handbremse verfügen über ABS. Handschutz und Bordcomputer sind serienmäßig. Alles sicher und im Blick.
„Höhenflug“ im Revier
Und dann geht’s ins Revier. Hier spielt der neue Outlander seine Trümpfe aus. Das ATV ist kompakt: Radstand: 1,50 m. Wird’s holprig, sorgen 28 cm Bodenfreiheit für „Höhenflug“. Die grobstolligen 26-Zoll-Radialreifen (Terracross) setzen die Allradtechnik des Quads auf Kies, Matsch sowie Schnee griffig um. Das Outlander verfügt über drei Fahr-Modi: Heck-, 4-Rad- sowie Allradantrieb mit Bremstraktionskontrolle. Das Differential blockiert also die Räder, die keine oder wenig Traktion aufweisen und gibt Schubkraft auf die anderen. So aus- gestattet, wühlt sich der Kanadier im DJZ-Test überall durch. Problemlos. Vorne und hinten sind jeweils massive Rammschutz-Rohre angebracht. Ebenso Transportflächen: Auf dem Heckträger kann der Keiler bis 90 Kilo verzurrt werden, der Frontbereich packt die Hälfte. Ein verschließbares Fach hinter dem Sitz fasst 22 Liter. Ideal für Fernglas, Munition, Messer, Vesper und die aktuelle DJZ. Muss der Drückjagdbock ins „hinterste Reviereck“ gekarrt werden, kommt ein Hänger an die Kupplung. Bis zu 750 Kilo zieht das Can-Am. Die vorne verbaute Seilwinde hat eine Zugkraft von knapp 1.600 Kilo.
Strich darunter: Das Can-Am Outlander 650 ist ein vielseitiger sowie starker und beweglicher „Bergepanzer“ mit einer Vielzahl jagdnützlicher Komponenten. Im Revier schlägt es – meines Erachtens – handelsübliche SUVs um Längen. Und es macht auch auf Asphalt Höllenspaß. Eine Sommertour zur Eisdiele oder dem Badesee birgt das Risiko, dass das Ziel nie erreicht wird, weil das Fahren an der frischen Luft „süchtig“ macht. Aber billig ist das Vergnügen nicht: 18.000 Euro müssen für das 650er hingeblättert werden. Ein teures „Spielzeug“? Nein. Zugegeben: Billig ist es nicht, aber vor allem kein Spielzeug!